#28 – “Musikradio 2026 – zwischen Kultur, Kommerz, Massenmedium & Sendeschluss”
Shownotes
Das Radio erscheint heutzutage gelegentlich wie ein Relikt aus vergangenen Tagen. Doch für die Musikwelt ist es auch in 2026 bedeutsamer als viele denken würden. Wie steht es dieser Tage um den Radiomusik-Markt in Deutschland? Welche aktuellen Entwicklungen lassen sich an der Schnittstelle zwischen Radiowelt und Musikbranche beobachten? Wie kantig sollte bzw. darf Musikradio im Zeitalter der Algorithmen sein? Und was bedeutet es für unsere Branche, wenn am Nischenprogramm der öffentlich-rechtlichen Radiosender gesägt wird?
Durch die Folge führen euch wie immer Lina Burghausen und Alex Barbian. Zu Wort kommen außerdem Martin Hommel, Jana Cebulla, Jule Kaden, Tom Kölm, Stephan Velten und Juse Ju. Die Episode wurde im Mai 2026 aufgezeichnet.
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Reeperbahn Festival Deep Dive - präsentiert von MusikWoche - ist ein Podcast der RBX GmbH
Redaktion & Recherche: Lina Burghausen & Alex Barbian
Produktdesign & Produktion: Christina Schäfers, Luisa Blotzki, Lou Böhm & Michael Götting
Studio: German Wahnsinn
besonderer Dank gilt dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien
Die in diesem Podcast geäußerten Meinungen und Ansichten der Hosts sowie der Gäste spiegeln nicht notwendigerweise die Meinung der RBX GmbH wider. Der Podcast dient als Plattform für die Diskussion von Themen und den Austausch von Expert*innenmeinungen. Alle Inhalte sollen zur Inspiration und zur Anregung von Diskussionen dienen und stellen keine offiziellen Positionen oder Empfehlungen der RBX GmbH dar.
Shownotes:
ARD / ZDF Medienstudie« (ARD / ZDF) [https://www.ard-zdf-medienstudie.de/getFile.php?from=globalInformation&id=32]
Audio Trends 2025 (Die Medienanstalten) [https://www.die-medienanstalten.de/forschung/audio-trends-2025/]
Ausgabe 2025 (Low Budget High Spirit) [https://lowbudgethighspirit.com/products/das-magazin-ausgabe-2025]
Der Radio-DJ in der Ära von iTunes und Spotify (Deutschlandfunk Kultur) [https://www.deutschlandfunkkultur.de/der-radio-dj-in-der-aera-von-itunes-und-spotify-100.html]
Der Radiosender als Dienstleistungsmarke (Universität Hamburg) [https://ediss.sub.uni-hamburg.de/bitstream/ediss/1504/1/Dissertation_MBusch.pdf]
Die Geschichte des Radios - Ohne Radio kein Podcast (Deutschlandfunk) [https://www.deutschlandfunk.de/history-talks-die-geschichte-des-radios-ohne-radio-kein-podcast-100.html]
Die umgedrehte Welle (Tagesspiegel) [https://www.tagesspiegel.de/gesellschaft/medien/die-umgedrehte-welle-4176505.html]
Fazit (Wo ist hier der Krach?) [https://woisthierderkrach.de/fazit]
Für junge Musikerinnen in Bayern eine Katastrophe - Kommentar zum Aus des BR-Senders Puls (Mucbook) [https://www.mucbook.de/fuer-junge-musikerinnen-in-bayern-eine-katastrophe-kommentar-zum-aus-des-br-senders-puls/]
Hörfunknutzung der ARD-Programme (ARD) [https://www.ard.de/die-ard/aufgaben-der-ard/hoerfunknutzung-100.html]
Jazz und Blues statt Marschmusik (Deutschlandfunk Kultur) [https://www.deutschlandfunkkultur.de/radiosender-afn-jazz-und-blues-statt-marschmusik-100.html]
JIM-Studie 2025 (MPFS) [https://mpfs.de/app/uploads/2025/11/JIM2025PDF_barrierearm.pdf]
MDR Sputnik: 2027 UKW-Aus (Radioszene) [https://www.radioszene.de/213842/mdr-sputnik-2027-ukw-aus.html]
Mich stört das Bild der so fragilen Hörerschaft (DWDL) [https://www.dwdl.de/magazin/93704/michstoertdasbilddersofragilen_hoererschaft/]
Miserable Monday Update (Miserable Monday) [https://miserable-monday.de/miserable-monday-update-dasding]
Mit Musik Geld verdienen (GEMA) [https://www.gema.de/de/musikurheber/tantiemen/mit-musik-geld-verdienen]
Most played songs on radio (Far Out Magazine) [https://faroutmagazine.co.uk/most-played-songs-on-radio/]
Musikbranche: Mehr Airplay für deutsche Bands (Deutschlandfunk Nova) [https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/musikbranche-mehr-airplay-fuer-deutsche-bands]
Musik im Radio (Universität Würzburg) [https://www.researchgate.net/publication/330623034Musikim_Radio]
Musik im Rundfunk (Universität Würzburg) [https://www.researchgate.net/publication/332719720Musikim_Rundfunk]
Musik-Vielfalts-Check für das Radio (WDR 5) [https://www1.wdr.de/mediathek/audio/wdr5/wdr5-toene-texte-bilder-beitraege/audio-musik-vielfalts-check-fuer-das-radio-100.html]
Öffentlich-rechtlich vs. privat (Deutschlandfunk) [https://www.deutschlandfunk.de/oeffentlich-rechtlich-vs-privat-100.html]
Welche Relevanz hat das Radio für Jugendliche und junge Erwachsene noch und inwiefern spielen Streaming- Plattformen dabei eine Rolle? (Universität Mittweida) [https://monami.hs-mittweida.de/frontdoor/deliver/index/docId/13254/file/BAJarakAngelina_51793.pdf]
Wie hat sich das Medium Radio durch die Digitalisierung verändert? (Musik und Medien) [https://www.musikundmedien.org/2022/04/07/becker_1/]
Wie Radio-DJs den Rock 'n' Roll nach Bayern brachten (Bayern 2) [https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/zuendfunk/70-jahre-djs-im-br100.html]
Wir brauchen die Vielfalt – Das drohende Aus für die Radiowelle Cosmo (Deutschlandfunk Kultur) [https://www.deutschlandfunkkultur.de/wir-brauchen-die-vielfalt-das-drohende-aus-fuer-die-radiowelle-cosmo-100.html]
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00:00:02: Also Radio sollte gar nicht versuchen, Spotify oder andere Anbieter zu imitieren.
00:00:08: Sondern es hat seine Stärke genau darin in der Unmittelbarkeit, in der Verbindung zwischen Medium und Nutzenden.
00:00:15: Und genau hier entsteht Emotionalität und deswegen kann Radio viel mehr überraschen als das ein kommerzieller Anbiter für Musik sein
00:00:25: können.
00:00:26: Dieses ikonische Rauschen beim Drehen des Frequenzrats in gespanter Erwartung darauf, dass innerhalb der nächsten Minuten ein aktueller Lieblingssong angekündigt wird den du bisher ausschließlich aus dem Radio kennst.
00:00:39: Dann – in der Sekunde der Wahrheit – der rasche Druck auf die Racktaste des Kassetten-Recorders!
00:00:45: Für Generationen von Menschen war das Radio das verheißungsvolle Tor zur Welt der Musik und der relevanteste Musikgeschmacksverstärker zugleich.
00:00:54: Ich erinnere mich zu gut an die bestens kuratierte Mitschnittesammlung von meinem Vater, die über meine gesamte Kindheit hinweg unser Familienauto beschalt hat.
00:01:04: Heute im Zeitalter der digitalen Allverfügbarkeit von Musik in dem Streamingdienste Millionen von Songs auf Abruf in der Hosentasche bereithalten erscheint das Radio so ein Stück weit wie ein Relikt aus vergangenen Tagen also zumindest bei oberflächlichem Hinsehen oder besser hinhören.
00:01:23: In Wahrheit ist das Radio für die Musikwelt auch in den Jahren des Jahres auch bedeutsamer als viele denken würden.
00:01:30: Laut ARDZDF-Medienstudie hören mindestens einmal wöchentlich radio, und selbst unter den vierzehn bis neunundzwanzigjährigen sind es sechsundfünfzig Prozent.
00:01:43: Die Erhebung Audio-Trends für Jahrzehnte belegt, dass mehr als fünfundsechzig Millionen Personen in Deutschland lineares Radio nutzen – egal ob am klassischen Radiogred oder online.
00:01:54: Die Radiosender des SWR erreichen national fast sieben Millionen Menschen die das WDR sogar über acht Millionen.
00:02:01: All diese Zahlen beweisen, dass das Radio bis heute weder von Videos-Stars noch von Spotify gekillt worden ist.
00:02:09: Und dass es sich trotz massiver Veränderungen in den Nutzungsgewohnheiten bislang als zentrales Massenmedium und entscheidender Akteur im musikalischen Ökosystem behauptet – und eine erstaunliche Resilienz bewiesen hat!
00:02:22: Wie steht es dieser Tage um den Radiomusikmarkt in Deutschland?
00:02:27: Welche aktuellen Entwicklungen lassen sich an der Schnittstelle zwischen Radio-Welt und Musikbranche beobachten?
00:02:34: Und wie kann Tich DAF Musikradio im Zeitalter der Algorithmen sein, was bedeutet es für unsere Branche wenn am Nischenprogramm der öffentlich rechtlichen Radiosender gesägt
00:02:44: wird.
00:02:45: Diesen Fragen möchten wir nachgehen in der heutigen achtundzwanzigsten Episode von Reeperbahn Festival DiebDive dem Podcast aus der Musikbranche für die Musikbranche präsentiert von Musikwocher.
00:02:57: Wir sind es ALWAYS Alex Barbian und Lina Burghausen, und natürlich kommen speziell in der zweiten Hälfte dieser Folge mehrere von uns hochgeschätzte Expertinnen zu Wort – nämlich Martin Hommel, Jana Zebola, Jule Kaden, Tom Cologne, Stefan Felten und Yu-Zu-Yu!
00:03:16: Wir zeichnen diesen Podcast am sechsenzwanzigsten Mai im Jahr.
00:03:20: Alle relevanten Recherchquellen findet ihr wie immer in den Show-Nords.
00:03:24: Wie wunderbar, dass Ihr wieder dabei seid!
00:03:26: Herzlich willkommen bei Deep Dive
00:03:29: Radio!
00:03:34: Bevor wir unsere Lupe auf die aktuelle Radiolandschaft im deutschsprachigen Raum legen wollen wir einen kurzen Blick in die Geschichtsbücher werfen um begreiflich zu machen mit welcher geradezu monopolartigen Dominanz das Radio mehrere Jahrzehnte lang absoluter Taktgeber der Musikverbreitung war.
00:03:57: Mit dem Rabattcode Deep Dive X zusammengeschrieben, könnt ihr euch bis Ende Juni zehn Prozent auf Festival und Conference-Tickets des Reperbahnfestivals sichern.
00:04:07: Natürlich nur so lange der Vorrat reicht!
00:04:09: Und damit gehen wir in die Podcastfolge rein...
00:04:14: Die erste Radiosendung der deutschen Geschichte wurde im Oktober nineteenhundertdreiundzwanzig ausgestrahlt – schon damals war Musik ein wichtiger Programminhalt.
00:04:25: Obgleich das Radio seit seiner Geburt zur Bildung und Unterhaltung der Hörerinnen angedacht war, wurde es in der Zeit des Zweiten Weltkriegs von den Nationalsozialisten zu propagandistischen Zwecken missbraucht.
00:04:37: Aus diesem Grund wurde einige Jahre nach dem Krieg in der BRD eine sogenannte Rundfunkordnung eingeführt mit dem Ziel, dass Mediumradio staatsfern zu halten und öffentlich kontrollieren zu können.
00:04:50: In diesem Zuge gingen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten an den Staat.
00:04:54: Ja, in den Anfangsjahren sendeten die hauptsächlich massenwirksame Unterhaltungsmusikprogramme – also Tanzmusik, Operetten, Schlager, Evergreens!
00:05:04: Die deutsche Bevölkerung interessierte sich in den Nachkriegsjahren allerdings auch immer intensiver für die Radiosender der in der BRD stationierten britischen und amerikanischen Soldatinnen bei denen Jazz, Rock'n Roll, Soul & Funk lief.
00:05:18: Sender, wie das American Forces Network oder der British Forces Broadcasting Service waren für Jugendliche in der Bundesrepublik aber auch an der DDR wo junge Menschen nur über das Radio heimlich die Lieder ihrer verbotenen Heldinnen hören konnten.
00:05:31: Regelrechte Fenster zur Freiheit und damals schon sogenannte Top Forty Radios also im Prinzip die ersten Formatradios die auf deutschen Boden erreichbar waren.
00:05:42: Das Formatradio zeichnet sich dadurch aus, dass sein Programm auf die Erwartungen und Konsumgewohnheiten seines Publikums abgestimmt ja optimiert ist.
00:05:50: In den neunzehnhundertsechziger Jahren stießen allerdings selbst international führende Sender wie die britische BBC an ihre Grenzen – ganz einfach weil sie der aufkommenden Rock-und Popmusik skeptisch gegenüberstanden und eben nicht mit der Zeit ging!
00:06:06: Dies führte zur Geburtsstunde sogenannte Piratensender, die von Schiffen in internationalen Gewässern aussendeten und das starre Musikdiktat aufbrachen, dem sich das offizielle Programm verschrieben hatte.
00:06:20: Diese Entwicklung zwang dann wiederum auch die musikbasierten Formatradios, sich in der Folgezeit immer weiter auszudeferenzieren.
00:06:28: In dieser Ära ergalten Radio DJs und ModeratorInnen wie Klaus Wellershaus, Thomas Gottschalk, Ingeburg Schober, Werner Reinkertt, Charles Peterson oder John Peele als echte Stars.
00:06:41: Als Trüffelschweiner, als Rock-Lehrerinnen auch Respektfiguren!
00:06:46: Ihre Sendungen, Playlisten und Stimmen prägten Musikgeschmäcker.
00:06:51: Die waren Brutstätten für Subkulturen und soziale gemeinschaftsgefühl stiftende Netzwerke vor dem Aufkommen sozialer Netzwerken.
00:07:00: Das Radio bot einen geschützten Raum für Experimente ungeteiltes Fachwissen Und eine Chance auf landesweite Bekanntheit oder hohe Plattenverkäufe hatten nur jene Artists die es in die Rotation der großen Sender geschafft haben.
00:07:12: Parallel
00:07:13: dazu machte die Etablierung des Fernsehens als Massenmedium dem Radio Konkurrenz.
00:07:18: Viele Radiostationen erfanden sich dadurch in der Rolle des Nebenbeibegleiters neu.
00:07:38: Während zuvor die musikalische Vielfalt, oft durch engagierte Einzelpersonen in den Redaktionen gefördert wurde, begann nun die Ära der Formatierung.
00:07:48: Mit dem Privatradius betraten Player den Markt für die Musik in erster Linie kein kulturelles Gut sondern vielmehr ein Instrument zur Hörerinnenbindung war.
00:07:57: Die Musik wurde ab jetzt zunehmend nach Marktforschungsaspekten ausgewählt, um eine möglichst breite Werbeziegegruppe zu erreichen die eben bestenfalls einfach durchhört, dran bleibt und gar nicht erst in Versuchung kommt sich über polarisierende Musik aufregen zu können.
00:08:13: Letztendlich beginnt an diesem Punkt auf dem Zeitstrahl ein Trend der den Grundstein für den heutigen Diskurs rundum sogenannte Einheitsmusik im Radio legte.
00:08:24: Am ersten Juli, neunzehnhundertsechsund achtzig nahm mit Radio Schließlich-Holstein besser bekannt als Radio RSH.
00:08:30: Der erste großflächig sendende private Radiosender Deutsch leidet sein Programm auf.
00:08:34: Ninzehundertneinundneinzig wurde die aus Frankreich stammende Energy Group das bis heute größte private Radiounternehmen Europas mit dem Sendestart von Energy Berlin erstmals auf den deutschen Markt aktiv.
00:08:48: Zwei Jahre später legte dann zum Beispiel auch der Hip-Hop R&B Mainstream Sender KISS FM los.
00:08:54: Als Gegentrend sind die sogenannten Hochschulradios zu erwähnen, die ab Ende der achtziger Jahre in immer mehr deutschen Städten an den Start gingen und ja z.T.
00:09:04: bis heute gerade in den Subkulturen durchaus als relevant gelten und denen irgendwie ja auch subversiven Charakter des Radios aufrechterhalten.
00:09:13: Bis der große Radiokonkurrent Internet auf den Plan trat, besaßen Radio-RedakteureInnen – ob nun im öffentlich rechtlichen Rundfunk, im Privatradio oder in Campus-Sendern tätig – weiterhin eine beispiellose Definitionsmacht über den Popkulturdiskurs.
00:09:27: Sie waren auch in dieser Zeit KatalysatorInnen, TrendsetterInnen und GenrespreaderInnen.
00:09:33: Neben dem inzwischen etablierten Musikfernsehen, blieb das Radio die einzige echte Möglichkeit für die breite Masse neue Musik abseits von physischen Tonträgern zu entdecken.
00:09:44: Logisch dass das Radio bis Ende der neunziger Jahre den Tag der Musikindustrie vorgab – Die Länge von Singles bestimmte und maßgeblich beeinflusste welches Genres gesellschaftsfähig wurden bzw welche Genres in der Subkultur verblieben.
00:10:00: Und dann kam Neuland Internet und krämpelte die komplette Landschaft um.
00:10:05: Einerseits brachte es die Technologieform des Webradios mit, dank der Menschen von nun an auch ohne Radioantennen Radio hören konnten – und zwar in schier unbegrenzten Räumen ohne Frequenzknappheit!
00:10:18: Plötzlich war es möglich, aus sämtlichen Ländern der Welt online auf Radiosender aussämtliche Länder in der Welt zuzugreifen und diese in gleichbleibend hoher und wetterunabhängiger Klangqualität hören zu können.
00:10:31: Andererseits ging über Internetradiosender etliche neuer Broadcaster an den Start, auf die bis heute häufig parallel zu anderen Internetaktivitäten zugegriffen wird.
00:10:42: Mitte der Nullerjahre gab es weltweit schätzungsweise bereits über einhunderttausend von ihnen Die Barriere einen eigenen Sender zu starten war extrem gesunken.
00:10:52: Dafür brauchte es, während die lineare Verbreitung eines Senders teilweise sechsstellige Beträge kosten kann plötzlich keine großen Investitionen und keine Lizenzierung mehr.
00:11:02: Natürlich hat das Internet die gesamte Radiolandschaft verändert selbst die alteingesessensten Strukturen.
00:11:08: Radio-Stationen sind heute in der Regel keine reinen Sender mehr, sondern Contentproduzenten die ihre Inhalte auch über Mediatheken, Apps, Podcasts und Videoplattform ausspielen müssen um die jungen Zielgruppen zu erreichen.
00:11:23: Unzählige Sender von Star FM bis Big FM sind längst keine Audio Only Plattform mehr, sonder stecken jede Menge Ressourcen im YouTube Formate und andere Bewegbildverlängerung.
00:11:36: Ein Beispiel aus meiner direkten Lebenswelt.
00:11:39: Der Rundfunk Berlin-Brandenburg, also der RBB hat seine Jugendwelle Fritz über die wir heute noch vertieft sprechen werden sukzessive zu einer plattformübergreifenden Digitalmarke umgebaut.
00:11:51: Wir haben im Vorfeld dieser Folge Kontakt zu Stefan Felten aufgenommen, der als erfahrener Promoter die deutsche Radiolandschaft Bestens kennt.
00:11:59: Felten ist Geschäftsführer der Agentur Check Your Head, die sich unter anderem um die PR-Arbeit von Künstlernen wie Kraftklub, Casper, Berg-, KIZ oder Blush Always kümmert und sämtliche Medienbereiche abdeckt – eben auch das Radio.
00:12:14: Felten hat auf einen wichtigen Aspekt hingewiesen, der exemplarisch für die Evolution des reinen Radiosenders zur achttarmigen Medienmarke steht!
00:12:23: Vieles wird einfach verlagert.
00:12:25: Newcomer Förderung findet nicht mehr in der Sendung oder auf dem Sender selber statt, sondern eher im Live-Bereich.
00:12:32: da wird die Marke des Radios einfach auf Konzerte draufgesetzt und damit Newcomers gefördert.
00:12:39: Das Programm dient quasi nur noch zur Bewerbung von der Veranstaltung Oder es werden Konzerte präsentiert, deren Musikerin oder deren Acts im Grunde gar keinen Platz.
00:12:55: Spätestens seit Anbruch des Streaming-Zeitalters ist das Radio kein exklusiver Musiklieferant mehr, sondern mehrheitlich ein kuratierter Begleiter.
00:13:05: Für die Musikbranche sind Radio Plays in Zeiten, in denen ein einziger Stream auf Spotify nur Bruchteile einer Sense generiert – allerdings wertvoller denn je!
00:13:15: Ein Hit im Radio garantiert nicht nur Sichtbarkeit, sondern bildet oft das ökonomische Rückgrat einer Produktion und die Haupteinnahmequelle für Künstlerinnen auch in Nischen-Genres.
00:13:26: Weil bei jedem einzelnen Radioeinsatz Tantiemen von GEMA und GVL an die UrheberInnen und ausübenden Künstlernen ausgeschüttet
00:13:34: werden.".
00:13:34: Tatsächlich lässt sich beobachten dass die Beziehung zwischen Radio & Streaming heute weniger ein Verdrängungswettbewerb als viel mehr eine Symbiose ist.
00:13:44: Jule Kaden hat uns sehr anschaulich erklärt, warum.
00:13:48: Sie ist meinungsstarke und geschmacksichere Moderatorin, Redakteurin sowie Reporterin und arbeitet hauptsächlich für Fritz und Radio Eins.
00:13:58: Spotify ist für mich nicht der Feind.
00:14:00: es ist eher ein ziemlich guter Seismograph.
00:14:03: man sieht dort das Was wächst, was Leute wirklich wiederholen?
00:14:07: Welche Szenen plötzlich größer werden.
00:14:08: Welche Songs vielleicht noch gar nicht klassisch im Radio funktionieren aber schon eine Community haben.
00:14:13: Wir haben oft Tracks auf der Playlist weil sie gerade bei TikTok oder Insta richtig dumm gehen und wir die nice finden Und dann laufen die halt zack boom im radio.
00:14:21: Der Unterschied ist Daten sind ein Hinweis keine Haltung.
00:14:24: nur weil ein Song streamt gut streamt ist er noch kein Fritzsong.
00:14:28: Nur weil ein song noch nicht riesig ist heißt das nicht dass er keine Chance verdient.
00:14:33: genau Da kommt Redaktion rein oder eben Local Artists aus Berlin und Brandenburg.
00:14:39: Jule hat es angesprochen, oftmals beginnt der Lebenszyklus eines Hits heute auf Plattformen wie TikTok oder in großen Spotify-Playlisten.
00:14:48: Sobald ein Song dort eine kritische Masse erreicht hat wird er natürlich häufiger von den Musikredaktionen der Radiosender aufgegriffen und durch das Radio in seiner Relevanz verstärkt.
00:14:59: Und trotzdem gibt es natürlich eine Vielzahl der von Jule erwähnten Sonderfälle, also Songs die auf den DSPs noch keine Rolle spielen und obwohl sie im Zweifelsfall nicht mal als Radio-Single vorgesehen sind, dennoch ihren Weg in Nischen Sendungen finden.
00:15:15: So oder so lässt sich festhalten dass ein Song wenn er im Radio läuft Schichten der Bevölkerung erreicht die nicht aktiv nach neuer Musik suchen.
00:15:24: Das Radio besitzt also die Macht, selbst größte Internethypes zu adeln und noch massentauglicher zu machen.
00:15:30: Ist also trotz seiner stetigen Fortentwicklung keineswegs tot oder für unsere Branche uninteressant?
00:15:36: Stefan Felten dazu
00:15:39: Sicher ist Radio und die Redaktion im Radio nicht mehr so eine übermächtige Gatekeeper, wie sie das einmal waren.
00:15:47: Musik- und Popkultur findet auf vielzähligen Kanälen den Weg zu Hörerinnen und Fans.
00:15:54: Und dennoch ist das Radio gerade in Deutschland der Teil der Medienwelt, der sich am wenigsten verändert hat oder die Grundstruktur geändert hat durchaus positiv.
00:16:08: und so eine federale Landschaft mit öffentlich-rechtlichem Radio ist immer noch ne wichtige Säule, in dem mittlerweile viel Klang von Popkultur und wo man als Künstlerin gesehen oder in dem Fall gehört wird.
00:16:24: Das Radio ist nachweislich immer noch das Medium mit der stärksten gewohnheitsmäßigen Alltagseinbindung.
00:16:31: Selbst das herkömmliche Antennenradio hat es bis ins Heute geschafft und vor gar nicht allzu langer Zeit sogar noch eine technische Revolution in sich erlebt.
00:16:41: Vielerorts wurde von der klassisch analogen UKW-Verbreitung, UKW steht für Ultrakurzwellen hin zu digitalen Standards umgesattelt also zum Digital Audio Broadcasting Plus abgekürzt DAB+.
00:16:56: Mit der Einführung dieser Übertragungsform hat sich der Empfang deutlich verbessert Mehr Programme auf demselben Frequenzraum, bessere Klangqualität, bundesweite Sender.
00:17:07: Gerade für spezialisierte Spartensender ist das Prinzip DAB+.
00:17:12: Sofern genügend Werbepartnerinnen im Boot sind eine Lebensversicherung.
00:17:16: Von diesen Sparten-Sendern gibt es ja einige!
00:17:19: Auch wenn die Zahlen, über die wir im Rechercheprozess gestolpert sind, variieren, lässt sich festhalten dass es inklusive der Vielzahl an Webradios aktuell über siebenhundert gelistete Radiostationen in Deutschland gibt.
00:17:32: Und da ist alles dabei also vom lokalen Technosender bis hin zu landesweiten Formaten aller Radioenergie.
00:17:39: Ein Großteil der Sendervielfalt machen die privaten Anbieter aus, es gibt aber auch über sechzig öffentlich-rechtliche Sender von denen einige ausschließlich digital empfangbar sind.
00:17:50: Bis heute hören gut drei zehn Millionen Menschen regelmäßig auf herkömmlichen Wegen lineares Radio – wobei die Radioprogramme Vormittags also so ungefähr elf Uhr ihre Nutzungsspitze erreichen.
00:18:02: Knappe siebzehn Millionen Menschen nutzen innerhalb von vier Wochen digitalen Radioempfang übers Webradio.
00:18:08: Das sind ja doch ziemlich viele.
00:18:34: Die Frage ist nur, und das führt uns in den nächsten großen Komplex.
00:18:41: Wie sollte ein solches Programm aussehen?
00:18:44: Nach welchen Kriterien sollten Radiosender ihre Heavy Rotation zusammenstellen?
00:18:48: Und was ist überhaupt gutes Musikradio?
00:18:51: Die einen würden sagen, einer ist das möglichst viele Menschen erreicht, einen guten Flow hat und eine bestmögliche Durchhörbarkeit gewährleistet – dass zum Beispiel beim Autofahren nicht stört und obwohl es nur nebenbei plätschert trotzdem eingängig ist!
00:19:07: Um einen maximalen Mainstream tauglichen Radio näher zu kommen und durch maximale Einschaltquoten maximal das Werbemane abzuschöpfen, wird.
00:19:14: seitdem die Privatradius das Spielfeld betreten haben viele Orte mithilfe standardisierter Marktforschung versucht Musikprogramme zu entwickeln.
00:19:22: Statt sich auf das Bauchgefühl von MusikredakteurInnen zu verlassen werden Songs potenziellen Hörerinnen vorgelegt etwas verkürzt formuliert, nach den Kriterien Bekanntheit, Gefallen und Sättigung kategorisiert.
00:19:36: Mithilfe von Soziodemografie- und Mediennutzungsdaten lassen sich die Titel dann in zielgruppenspezifische Indizes überführen.
00:19:46: Natürlich nutzen Radiosender, wie schon erwähnt auch Streaming-Daten als Marktforschungstool.
00:19:52: Sie sind die perfekte Grundlage für das Prinzip Adult Contemporary auf das viele Stationen setzen – fast ausschließlich Titel spielen, die in Musiktests bei der Mehrheit der Hörerinnen gut abschneiden und auch jenseits des Radius viral gegangen
00:20:07: sind.".
00:20:08: Es
00:20:08: liegt ja ein Stück weit auch auf der Hand!
00:20:10: Also wer einen Top-Fürzig-Programm abfeuert Apple Music Playlisten spiegelt, algorithmisch kuratiert bzw.
00:20:17: wieder und wieder alt bewährte Hits aufgreift scheint am allersichersten zu fahren.
00:20:23: Tatsächlich lässt sich sogar wissenschaftlich belegen, dass Menschen Lieder immer weiter ans Herz wachsen je öfter sie ihnen passiv gelauscht haben.
00:20:31: Wer also achtzigmal Every Breath You Take von The Police gehört hat – ja das ist einer der meistgespielten Radio-Songs der Menschheitsgeschichte – der mag dieses Lied vermutlich auch und sei es nur aus Nostalgiegründen!
00:20:43: Ja wir erleben eine Paradoxie Einerseits gab es noch nie so viele Sender wie heute, andererseits war die musikalische Bandbreite im Mainstreamradio noch nicht so geringen wie in genau diesen Moment.
00:20:56: Im Rechercheprozess habe ich gelesen das vereinzelte Privatsender in der jüngsten Vergangenheit Phasenweise über fünfundzwanzig Mal pro Tag Songs von Adele gespielt haben.
00:21:07: Statt Experimente zu wagen, spielt man also lieber Lieder die nicht anecken oder stören damit niemand um- oder abschaltet.
00:21:14: Bloß niemand überfordert ist und das Publikum bis zur nächsten Werbung definitiv am Ball bleibt.
00:21:21: Weil man davon ausgeht dass die meisten Hörerinnen das Radio als Begleitmedium nutzen setzt man auf regelrechte Déjà vu Dauer schleifen heißt den ganzen Tag werden wieder immer die gleichen fünfzehn Songs gespielt.
00:21:35: Dadurch entsteht natürlich eine klangliche Homogenisierung, die oft völlig zurecht als Einheitsbrei kritisiert wird.
00:21:43: Tatsächlich kann man den Eindruck gewinnen, dass sich die im Radio gespielten Musiktitel kaum voneinander unterscheiden und immer mehr zu einem monotonen Musikklangteppich verkommen.
00:21:54: Das führt zur einer Wechselwirkung mit dem Arthessektor der ja mitbekommt, wie schwer es ist in dem Jahr im Jahr die Musik ins Radio vorzustoßen.
00:22:05: Und wer sich einmal anschaut, welcher Album-Song im Promo-Prozess zur Radiosingel auserkoren wird?
00:22:10: Der wird feststellen, dass es sich meistens um das gefälligste Lied handelt... ...dass sich der jeweilige Artist irgendwie aus dem Kreuz geleiert hat weil man braucht hier noch was fürs Radio.
00:22:19: Wobei die Sache relativ ist!
00:22:21: Als ich Felten gefragt habe nach welchen Kriterien heutzutage im Laufe einer Albumpromo definiert welcher Song als Radio-Single platziert werden soll, hat er wie folgt geantwortet.
00:22:33: Früher war die Formel einfacher, dass am leichtesten zu verdauende Stöcken mit dem großen Wiedererkennungswert in der Hook und drei Dreißig Länge.
00:22:42: das war die Single.
00:22:43: Im Grunde des Prinzipes wie es heute Streaming Play Listen funktionieren.
00:22:47: Der Song, der am wenigsten auffällt den man am besten überhören kann setzt sich am Besten auf den Listen durch.
00:22:55: Das hat quasi Radio früher erfunden.
00:22:59: Heute spielen dann doch eher andere Faktoren noch eine weitere wichtige Rolle, welcher Track eines Albums für das Schaufenster sozusagen dienen soll.
00:23:09: Welcher Stich heraus kann irgendein Song und Track Diskurse auslösen?
00:23:15: Ist auffällig genug.
00:23:16: spricht man darüber wenn man ein Single wie zum Beispiel bei Deichkind in der Natur nimmt was im Grunde auf einem beschrecklichen Jodelsample basiert Und am Ende ist Song des Jahres bei Radio Eins wird, dann war das sicherlich nicht eines der eben beschriebenen Kriterien wie man eine Single aussuchen würde.
00:23:38: An dieser Stelle muss natürlich betont werden dass Felten eben eher die Deichkins als die Vincent Weises oder Nenas.
00:23:45: dieser Welt betreut also ein künstlerisches Milieu das in der Regel nicht antritt um den großen allgelatten Privatradio Hit zu machen sondern eher sagen wir Die Cool-Kids, die am Ende des Jahres den Radio I Award abräumen.
00:24:01: Wer es in den Heavy Rotations mit Lady Gaga und Alex Warren aufnehmen will fährt mit einer ganz klassischen Radiosingel vermutlich auch im Jahr zum Jahr ist.
00:24:11: Und die muss ins Ohr gehen, darf nicht weniger als zweieinhalb und nicht mehr als vier Minuten Spielzeit haben.
00:24:17: Muss schnell in der ersten Hook ankommen, darf weder obszön sein noch in irgendeiner Form schockieren – und bestenfalls auch kein Arzi Geodl statt eines Ohrwurmrefranks enthalten!
00:24:29: Falls das Intro zu lange ist wird eben ein typischer Radio-Edit angelegt damit sich bloß niemand eine Sekunde langweilen könnte.
00:24:36: Ja, Langeweile ist der Feind selbst für Radiomacherinnen wie Jule Kaden die ihre Hits sicherlich nicht nach dem klassischen Radio-Hit-Prinzip pickt und bei Fritz & Radio I auch die Möglichkeit bekommt ihren progressiven Anspruch auszuleben und Artists zu pushen, die wir bei absolut hortvermutlich Nichts zu hören bekommen.
00:24:58: Ich habe sie gefragt was ein Radiohit in Ihren Augen zum Radio Hit macht.
00:25:02: Ein Radio-Hit muss schnell etwas auslösen.
00:25:05: Das muss nicht immer Euphorie sein, es kann auch Melancholie, Energie trotz Wärme irgendwas sein aber man muss nach wenigen Sekunden irgendwie verstehen da ist ein Gefühl.
00:25:14: Wichtig ist natürlich Wiedererkennbarkeit, ein Hook, ein Sound, eine Stimme, einen Moment der Hängen bleibt.
00:25:19: Aber ein guter Radio-hit darf auch nicht zu kompliziert sein meistens.
00:25:23: Er muss in unterschiedlichen Situationen funktionieren im Bad, im Auto oder im Büro auf Kopfhörern beim Nebenbei hören.
00:25:29: und ich persönlich finde dass die besten die sind, die einige richtig scheiße finden weil wenn es allen gefällt juckt's halt nicht kann sich euren Fahrstuhl stellen und da den Munk gehören dann gefällt's halt allen
00:25:39: so.".
00:25:41: Die Komponente Stimmung ist sehr entscheidend auch für Tom Cullm.
00:25:45: er is ein alter Radio Hase und ganz nebenbei auch Programmchef bei Fritz.
00:25:50: Netterweise hat uns auch Tom die Frage beantwortet, was einen Radiohit aus seiner Sicht ausmacht.
00:26:13: glaub ich.
00:26:14: Und dann merkt man eben, dass manche Songs deutlich mehr Leute erreichen und deutlich mehr darauf reakten und ein Gefühl für diesen Song entwickeln.
00:26:24: Genau!
00:26:25: Das ist einfach Melodie und Hook.
00:26:27: Trotzdem ist ein Hit nicht ein Hit.
00:26:29: Darüber haben wir doll diskutiert weil der RBB kurz seit ihr immer wollte, wo werdet hier mal die HIT Abspielstation?
00:26:35: Hits sind einfach deutlich subjektiv nämlich da wo mein Herz verschlägt, auch für das Genre.
00:26:41: Und trotzdem gibt es dann immer wieder Sachen auf die werden wir uns alle einigen können.
00:26:45: Die funktionieren einfach weil sie in uns tolle Gefühle wecken und bei den Songs wurde sehr, sehr vielen Leuten ist glaube ich da kann man dann von einem Radiohüt sprechen.
00:26:57: Im Entstehungsprozess lässt sich ein solcher Hit wenn nicht all das so höre also irgendwie nur so bedingt planen.
00:27:04: Trotzdem kommt früher oder später der Moment, an dem hinter den Kulissen ein Song als Radio-Single auserkoren wird.
00:27:11: Anschließend ziehen Radiopromoterinnen los um möglichst viele Plays zu generieren und natürlich begünstigen entsprechende Promo-Verenkungen den Erfolg von AirPlay einsetzen.
00:27:22: nachweislich Wie eben bereits skizziert, kann es für Artists finanziell hochattraktiv sein wenn ein Song in der Heavy Rotation eines großen Senders landet.
00:27:32: Weil er gerade wenn er bundesweit läuft deutlich mehr Ausschüttungen generiert als Millionen von Klicks auf den Streaming-Plattformen.
00:27:40: Ich habe hier mal den Spaß gemacht und auf der offiziellen Website der GEMA mit dem Radiorechner experimentiert.
00:27:46: Laut Edit-Magazin ist der durchschnittliche Song heutzutage drei Minuten und dreizehn Sekunden lang, also insgesamt onehundertdreiundneunzig Sekunden.
00:27:56: Läuft ein onehunderdein neunzig sekündiger Song einmal auf Bayern II?
00:28:00: Generiert er laut dem besagten Radiorechner auf der GEMA Webseite GEMA einen Namen von etwa neunzehn Euro.
00:28:07: Lässt ihr bei Eins Live sind es etwa zwanzig Euro!
00:28:11: Läuft er bei Deutschland von Kultur?
00:28:12: Sind es zweiundsechzig.
00:28:14: Läuft der bei Rock-Antenne sind es sieben Euro, läuft er bei BITEFM generiert ja Upsi leider gar nichts.
00:28:19: Null Euro!
00:28:20: Ja wie ihr seht variieren die Ausschüttungen je nach Sender extrem.
00:28:25: das hat mehrere Gründe.
00:28:27: Ein großer bundesweiter Sender oder eine große Landeswelle mit Millionen Publikum zahlt einen riesigen Beitrag in sein Gemartopf.
00:28:36: Ein lokaler Stadtsender, mit ein paar Tausend Hörerinnen, zahlt entsprechend viel weniger.
00:28:42: Außerdem gibt es ein deutliches Gefälle zwischen öffentlich-rechtlichen Sendern und privaten Sendern.
00:28:47: Sender, die sich über den Rundfunkbeitrag finanzieren, schütten in der Regel größere Gema-Porschalen an Artists aus als die Privaten.
00:28:55: Aber Kleinvieh macht natürlich auch Mist!
00:28:57: Wenn wir also darauf vertrauen dass ein aktueller Platz eins hit der deutschen Airplay-Charts in einer typischen Woche auf etwa zwei bis viertausend Plays im deutschen Radio kommt können wir davon ausgehen das binnen weniger Tage Gemaeinnahmen im fünfstelligen Bereich zusammenkommen.
00:29:13: Es ist schon ein verlockendes Szenario.
00:29:15: Da kann man es einem Max Giesinger kaum verübeln, dass er hin und wieder mal einen neuen Max-Giesingersong macht.
00:29:22: Leider macht jeder Max-Geesingersong und jede Radio-Playlist, die eigentlich nur die Spotify Top-Fifty Global kopiert das Medium-Radio in der Bilanz aber auch ein Stückchen Samer – und das ist dann doch auch ein Problem!
00:29:34: Während die Wiederholungsrate, also die Rotation einzelner Titel steigt sinkt logisch.
00:29:41: Die Anzahl unterschiedlicher Titel agiert das Radio zu sicherheitsstrategisch stellt es sich freiwillig in seiner Rolle als Entdecker-Medium infrage wenn nur noch Adele, The Police und Max Giesinger Raum bekommen Und im Gegenzug jeder zu lange zu stressige Zu harte zu komplexe zu experimentelle zu neue zu gejodeltes Song unsichtbar bleibt.
00:30:05: Neue Genres, herausfordernde Lyrics, lokale Szenen aber auch Nischenmusik vom anderen Ende der Welt haben es im Zeitalter des Streaming Charts und das Airplay Monitoring extrem schwer!
00:30:17: Das Ergebnis dieser Entwicklung ist erstens, dass wir einen Innovationsstau erleben und zweitens, wenn es versucht die Streaming-Welt zu cosplayen, schlichtweg zu wenig vom Streaming abhebt.
00:30:31: Was wiederum fatal ist!
00:30:33: Jule Kaden dazu?
00:30:35: Radio darf nicht versuchen, der bessere Algorithmus zu sein.
00:30:38: Da verliert es.
00:30:39: Spotify kann sehr gut ausrechnen was jemand wahrscheinlich hören will auch wenn wir immer wieder und immer mehr von Schülerinnen die hier vorbeikommen auch gesagt kriegen boah
00:30:48: meine eigenen Listen nerven und mein Algo spielt mir auch immer noch das
00:30:51: gleich rein.
00:30:52: also ich glaube vielleicht perspektivisch wird es auch alles wieder wichtiger was wir im radio erzählen zum musik entdecken weil es eben mal neuen input gibt.
00:31:01: Und ja, Radio muss mir etwas geben von dem ich noch nicht wusste dass ich es brauche.
00:31:05: Also der größte Hebel ist glaube ich Persönlichkeit.
00:31:08: eine Playlist kann mir Songs nebeneinander legen aber sie kann keinen gemeinsamen Moment herstellen und radio kann das also so dieses sagen von Das passiert gerade.
00:31:18: darüber reden wir.
00:31:19: das ist der Song der dazu und dazu passt.
00:31:21: das ist die Stimme die dich morgens ein bisschen besser durch den Tag schiebt.
00:31:25: und radio muss mutiger kuratieren, nicht nur was funktioniert sondern auch was sollte gehört werden.
00:31:32: Welche Perspektive fehlt gerade?
00:31:33: Welche neue Künstler hat vielleicht noch keine riesigen Streamingzahlen aber ein Sound der hängen bleibt?
00:31:39: Da hat Radio eine Verantwortung und auch eine riesige Chance gegenüber Spotify &
00:31:43: Code.
00:31:45: Um relevant zu bleiben, sollte das Radio des Gegenteils von dem tun was Streaming-Algorithmen in ihrer Hyperpersonalisierung fabrizieren und ausnutzen dass das Bedürfnis der Menschen nach echter menschlicher Kuration und Livegefühl wächst.
00:32:00: Algorithmen sind immer nur so gut wie der eigene Musikgeschmack.
00:32:04: sie basieren auf den bisherigen Hörverhalten von Userinnen und versuchen diese in ihren entsprechenden Bubbles zu halten.
00:32:12: Spotify und Co.
00:32:13: spucken mir also aus, was ich hören will.
00:32:15: Und sie erweitern meinen musikalischen Horizont
00:32:18: nicht.".
00:32:18: Ein hochklassiges von fachkundigen Redakteurinnen betreutes und aufbereitetes Radioprogramm kann aber genau das leisten.
00:32:27: Es kann Musik mit Moderation, Nachrichten und lokaler Bindung verknüpfen – kann mir neue Lieblingsbands vorstellen die ich niemals entdeckt hätte!
00:32:36: Und im besten Fall neue größere Welten eröffnen, Kontext geben und Pop-Kulturwissenslücken schließen….
00:32:43: Zweiundsechzig Prozent der neuen Musikentdeckungen werden laut einer Erhebung über das Radio gemacht.
00:32:49: Eine Zahl, die sich besonders Künstlerinnen und deren Teams auf der Zunge zergehen lassen sollten, die das Radio für einen aus der Mode gekommenen Altstar halten.
00:32:59: Jemand,
00:32:59: der zu jeder Zeit seine Lanze für das Radio brechen würde ist unser Kollege Josiu!
00:33:04: Er ist Rapper und Radiomoderator, moderiert und kuratiert einmal die Woche die wirklich wunderbare Hip-Hop-Sendung Rap in D bei Radio Fritz.
00:33:13: Dort kann er als absoluter Nerd selbst reden machen was er will.
00:33:16: Das sagt er dazu!
00:33:21: eher jüngeren Künstlerinnen
00:33:24: ist,
00:33:24: dass Radio die einzige Möglichkeit ist dich noch zu anbubbeln.
00:33:28: Also die Leute denken alles muss über TikTok oder Instagram über YouTube, über Spotify passieren.
00:33:34: aber Radio ist eine Möglichkeit immer noch einen Haufen Leute dazu erreichen also wirklich ein sehr breites Publikum ohne Also, dass die quasi dir Followern müssen.
00:33:43: Dass sie schon in deiner Babel sein müssen zumal ja auch die ganzen Dienste mittlerweile sich das was kosten lassen.
00:33:49: also Radio ist immer noch eine Möglichkeit umsonst Exposure zu kriegen, die du sonst nicht kriegen würdest.
00:33:55: Ich als jemand der eine Radiosendung mache merke aber, dass das die allermeisten Artists zumindest im Allgemeinen schon überhaupt mich interessiert.
00:34:02: Die interessieren sich gar nicht für Radio Also die älteren schon Aber nicht die Jüngeren Und ich glaube, dass sie da falsch liegen.
00:34:09: Also ich glaub' Sie unterschätzen wie breit Radio noch gehört und wahrgenommen wird, welche Möglichkeit es einem gibt.
00:34:16: Radio kann Artists aus ihren Bubbles holen – für Hörerinnen als verlässlicher Filter in einer Welt der Informationsüberflutung dienen, ihnen die Verantwortung für die Musikwahl bewusst abnehmen!
00:34:29: Es kann ein Medium sein, das sich sehr nah anfühlt.
00:34:32: Wenn ich Klaus Vieles Sendung korrektes Zeug auf Eins Live höre, habe ich immer das Gefühl einen Privatvortrag von einem mir persönlich unbekannten Freund vorgetragen zu bekommen, auf dessen Geschmack ich mich zu hundert Prozent verlassen kann – Ein Gefühl dass mir die Streaming-Anbieter schlichtweg nicht geben können!
00:34:50: Nicht einmal am Rap Day.
00:34:52: Jana Zebola hat zu genau diesem Thema einen wirklich tollen Take gemacht.
00:34:56: Sie ist seit vielen Jahren Journalistin und Radiomacherin im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, und hat vor Sage und Schreibe für mehr als fünf Jahre bei Energy Berlin, also im Privatradio angefangen sich mit radio- und strategischen Programmfragen zu beschäftigen.
00:35:11: Aktuell leitet sie die Hauptredaktion Kultur & Jugend beim MDR, wechselt aber gerade als Programmenagerin in die neue Führungsebene des RBB – wir hören mal rein!
00:35:20: Also Radio sollte gar nicht versuchen Spotify oder andere Anbieter zu imitieren, sondern es hat seine Stärke genau darin in der Unmittelbarkeit.
00:35:30: In der Verbindung zwischen Medium und Nutzenden.
00:35:33: Und genau hier entsteht Emotionalität und deswegen kann Radio viel mehr überraschen als das ein kommerzieller Anbiter für Musik sein
00:35:43: können.
00:35:44: Wir haben jetzt ausgiebig darüber gesprochen, was das Musikradio zu leisten im Stande ist und darüber dass besonders strikt marktwirtschaftlich ausgerichtete Privatsender viele Potenziale des Musikradios nicht nutzen oder ja schlichtweg gar nicht nutzen wollen.
00:36:01: Diese Sender finanzieren sich primär durch Werbeeinnahmen.
00:36:04: wir müssen ihn also verzeihen wenn sie sich auf den Mainstream konzentrieren und ihr Programm konsequent auf die Maximierung der Reichweite in werberelevante Zielgruppen optimieren.
00:36:15: Aber wie sieht es bei denen durch die Allgemeinheit finanzierten öffentlich-rechtlichen aus?
00:36:21: Die sind, durch den Rundfunkstaatsvertrag ja sogar dazu verpflichtet einen Beitrag zur Kultur zu leisten und müssen oder vielmehr dürfen auch Nischen besetzen, die ökonomisch nicht rentabel sind!
00:36:33: Denn die öffentlich-rechtlichen sind eben keine Wirtschaftsunternehmen, sondern unter anderem Kulturlandschaftspflege und traditionell Horde der musikalischen Vielfalt.
00:36:44: Der seinen Hörerinnern durchaus auch etwas zutrauen darf.
00:36:48: Zumindest in der Theorie soll das ja Anspruch des ÖER sein ein Programm für alle anzubieten also nicht nur für diejenigen, die sich für den Mainstream interessieren, sondern eben Programm Alle und das funktionierte Feldübergreifend derzeit nur so mittelmäßig gut.
00:37:07: Zuerst einmal müssen wir festhalten, dass das duale Rundfunksystem und der darus resultierende Wettbewerb die Radiolandschaft zwar vielfältiger gemacht hat gleichzeitig aber auch einen enormen Anpassungsdruck erzeugt hat.
00:37:21: Obwohl die öffentlich-rechtlichen in keinster Weise dazu verpflichtet sind die höchsten Quoten einzufahren stehen sie dann trotzdem unter Quotendruck.
00:37:28: Das sagt zumindest Jose Yu.
00:37:31: So viel kann ich sagen aus meinen vierzehn Jahren jetzt beim Radio, dass die Quoten schon immer eine große Rolle spielen.
00:37:36: Dass da krass draufgeguckt wird.
00:37:37: Also ähnlich wie bei Privatradio auch.
00:37:40: Wird halt geguckt was machen wir von Dambas?
00:37:43: Der Grund dafür liegt glaube ich darin das der öffentlich-rechtliche Rundfunkjahr sehr stark unter Legitimationsdruck steht und den Lebens- und Kapitalismus so nichts legitimiert.
00:37:51: einen so sehr wie gute Zahlen!
00:37:54: Und wenn man zu guten Zahlen kommt dann kommt man dann wenn die Leute wenig abschalten.
00:38:00: Und da glaube ich liegt ein Problem, weil das haben wir im öffentlich-rechtlichen Radio.
00:38:03: Wir haben das im Privatradio und auch im Streaming.
00:38:07: überall auf allen Plattformen geht es in erster Linie um Skippraten.
00:38:11: Also es geht nicht darum was bedeutet jemand irgendwelche Musik sondern es geht darum welche Musik nervt so wenig dass sie nichts geskippt wird.
00:38:18: und wenn man mal in so eine Meeting sitzt mit so Radioberatern also sozusagen so Unternehmensberater für radio dann sagen die am Ende des tags immer Ja, hier sind die Numbers, die aus irgendeiner Marktforschung kommen.
00:38:29: Und in dieser Marktfassung ist halt so.
00:38:30: Ed Sheeran zum Beispiel funktioniert immer weil der wird nicht geskippt.
00:38:35: Dass ich auch verstehen kann, weil du kannst Castle on the Hill von Ed Sheerin problemlos hören.
00:38:38: das ist ein ganz gutes Lied aber es ist jetzt kein Lied was z.B.
00:38:41: mein Leben verändern würde oder was mir Identität geben würde.
00:38:45: aber es läuft heils funktioniert und Skibrate ist ja nur... Ist mich so scheiße dass ich wegschalte Aber nicht Oh!
00:38:51: Das ist aber ein tolles kulturelles Gut.
00:38:55: Wenn Skip Raids als Maßstab dafür fungieren, welche Songs gut und welche schlecht sind, bleibt am Ende nur der vorhin beschriebener Einheitsmudge.
00:39:04: Und der Krach bleibt aus!
00:39:06: Wo ist der Kräch?
00:39:07: So hieß ja tatsächlich auch ein in Eigeninitiative umgesetztes journalistisches Projekt unserer hier mit sehr geherzten KollegInnen Melanie Gullien und Martin Hommel.
00:39:18: Die beiden haben in Jahrzehnte und Zwanzig festgestellt, dass sie sich von der Vielfalt der Musiklandschaft im Angebot der öffentlich-rechtlichen Radios selten bis gar nicht abgebildet fühlen und die konsequent nördigen Musikradios vermissen.
00:39:33: Sie waren äußerst schockiert von einer Aussage der das Dingprogrammchefin Mira Seidel, die damals weniger Vielfald und mehr Durchhörbarkeit für ihren Sender forderte!
00:39:45: Um ein Zeichen gegen die musikalische Glattbügelung der ÖRR-Programme zu setzen und für die Kante den weirden Kram, die Nische einzutreten sind Melanie und Martin vor drei Jahren also in die Schlacht gezogen wie Martin mir im Rahmen der Episodenvorbereitung netterweise noch einmal erzählt hat.
00:40:05: Eigentlich wäre es relativ einfach.
00:40:09: Die Position des ÖR können einigermaßen werbefrei und quotenabhängig produzieren, das schreit ja geradezu nach spannenden Programmen... Musik so abseits des Mainstreams.
00:40:19: Aber das gibt es nicht.
00:40:20: und was wir dann eben gemacht haben ist in anderen Ländern zu schauen, wir haben mit Programmmacherinnen und Programmschefs von Sendern in Europa beziehungsweise Australien gesprochen.
00:40:31: darunter waren FM-IV in Österreich, Double J in Australien, FIB in Frankreich, Radio Promin in der Ukraine, PSX Beat in Dänemark und BBC Radio Six Music in Großbritannien.
00:40:44: Der Blick über den Tellerrand war für Melanie und Martin durchaus aufschlussreich.
00:41:05: immer noch zurückdenken, vor allem an das Gespräch mit dem Chef von Six Music der dann sagte naja wir haben so um die zwei Millionen Hörer in pro Woche.
00:41:14: Das ist jetzt im Vergleich zu anderen BBC-Stationen halt verschwinden wenig.
00:41:19: aber hätten wir die nicht?
00:41:20: Dann hätte auch die BBC diese Hörerin nicht.
00:41:22: ne also wenn wir sie nicht abgreifen wer denn dann?
00:41:26: wo gehen die dann hin?
00:41:27: und ich finde dass so ein tolles Argument weil es geht eben nicht darum.
00:41:32: wenn wir der Rundfunk für alle sein sollen, müssen wir so gleichförmig und so mainstreamisch wie möglich werden.
00:41:38: So dass das irgendwie gar nicht aneckt sondern eben wirklich rein in die Nische und zu gucken wo sind denn die Leute, die wir noch nicht abholen wollen?
00:41:46: Dass das Publikum oder wo sind die Leute gerade von dem Angebot was es so gibt noch nicht gesättigt sind?
00:41:51: Dodo Kradestanak, die Senderchefin von FMV, hat das ganz schön ausgedrückt.
00:41:55: Sie hat gesagt dass FMV vor allem auch so von den Lifestylern gehört wird, von den Leuten die Technikaffin sind, Multiplikatoren sind demokratie gutbinden und dem Pluralismus gutfinden.
00:42:06: und es wäre ja vor allem in der Phase wie jetzt wo der öffentlich-rechtliche Rundfunk Vor allem von rechts und rechts außen angegriffen wird total doof auch noch die Leute, die eigentlich Bock darauf haben zu verlieren.
00:42:17: Also für die Programm zu machen ist super wichtig.
00:42:20: Musikradio ist in dem Sinne total demokratiefördernd.
00:42:24: letztlich Die Hörerinnen identifizieren sich vielmehr mit diesen Sendern als mit normalen Radiostationen.
00:42:30: das haben uns irgendwie alle zurückgemeldet.
00:42:32: es ist relativ günstig zu produzieren.
00:42:35: also BBC Six Music zum Beispiel hat ein Budget von ich glaube elf Millionen pro Jahr, wenn wir uns das Budget des Deutschlandradios angucken.
00:42:43: Die haben insgesamt dreihundert Millionen Euro im Jahr.
00:42:45: also Musikradio ist eine günstige Formatierung.
00:42:48: man muss sich natürlich auch gleichzeitig die Frage stellen ich glaube wir haben in Deutschland so um die achtzig?
00:42:52: oder waren es damals zwanzig dreinzwanzig achtzig öffentlich-rechtliche Radios geführt hat jede Landesfunkanstalt ihren eigenen Klassik-Sender?
00:43:00: brauchen wir das denn und warum haben wir denn keinen Sender, der sich explizit mit alternativer Popkultur auseinandersetzt?
00:43:07: Und dass es vierundzwanzig Stunden am Tag.
00:43:11: Rede Martin!
00:43:12: Also nichts gegen Klassik-Sender aber natürlich wäre ein vierund zwanzig Stunden Kanal, der ausschließlich um den Indie-Sektor kreisen würde einen absoluter Traum Wirtschaftsmotor für viele lokale Artists, die derzeit am absoluten Existenzminimum kratzen.
00:43:31: Immer wieder wird in Deutschland kontrovers über Quoten für deutschsprachige Musik im Radio diskutiert – weil die meisten Künstlerinnen, die in den aktuellen Heavy Rotations-Platz finden, sehr erfolgreiche Artists aus dem Ausland sind, die kaum auf Einsätze gerade im öffentlich rechtlichen deutschen Radio angewiesen wären.
00:43:52: In anderen Ländern wird durch aus auf derartige Quoten geachtet.
00:43:57: FM-IV spielt vierzig Prozent österreichische Musik und in Frankreich gibt es sogar ein Gesetz, das sogar private Radiosender dazu zwingt zu den Haupthörerzeiten vierzig prozent französische Liederzusenden von denen mindestens die Hälfte von neuen Talenten stammen
00:44:14: muss.".
00:44:15: Wer würde der öffentlich-rechtliche Rundfunk, mehr Musik von Hannoverana, Gelsenkirchener, Berliner oder Hallenser Bands und KünstlerInnen unterhalb des Bekanntheits gerade von Jason Derulo oder David Getter platzieren?
00:44:29: Würden diese mehr Reichweite bekommen und mehr Platten, Tickets und Merch verkaufen.
00:44:34: Sie könnten sich langfristig überlebensfähig aufbauen und exportfähig werden – Martin dazu!
00:44:41: Und ich glaube, der allerwichtigste Punkt und der, der uns auch immer wieder zurückgemerdet wurde ist, dass ein Musikradio natürlich ein wahnsinniger Multiplikator für eine Szene sein kann.
00:44:53: Beziehungsweise – und das ist was noch wichtiger – eine lokale Szene erst mal lukrativ machen kann und auf gesunde Beine stellen kann.
00:45:02: Wenn wir eben schauen, was aus Österreich an Musik kommt, auch zu uns oder aus Großbritannien ... absolut damit was zu tun, dass Künstlerinnen dort von klein auf eben auch mit durch mediale Angebote wie diese öffentlich-rechtlichen Radiosender begleitet werden und aufgebaut werden.
00:45:19: Und das haben wir hier nicht so richtig!
00:45:20: Wir haben natürlich gesehen, dass es Sender gibt.
00:45:22: also wir kennen Radio Eins und wir wissen auch, dass Deutschland vom Kultur und Deutschland vom Vieh machen.
00:45:28: oder eben auch Fritz.
00:45:29: Programmchef Tom Köln ist nicht umsonst gelegentlich im Team Scheißeshirt anzutreffen.
00:45:35: In seinem Haus wird tagtäglich Musik aus den Untiefen der Subkulturen und Nischenmärkte gefördert.
00:45:42: Also in Bezug auf Ritz kann ich sagen, wir machen ein Programm
00:45:46: was
00:45:46: kantig ist zumindest kanntiger als unsere Mitbewerber.
00:45:51: Wir wollen einfach eigenständige Songs haben in Größenordnungen.
00:45:56: die laufen dann eben auch wirklich in der Rotation und dadurch, dass wir hin und wieder eben auch Musik-Tests machen sieht man das sind.
00:46:03: Und da verstehe ich, oh!
00:46:04: Wir sind einfach keine Bestester und trotzdem spielen wir die so und deshalb würde ich sagen gibt Fritz jetzt in unserem Reigen haben wir da deutlich progressivere Programme als viele unserer Mitbewerber sowohl im öffentlich rechtlichen als auch im privaten.
00:46:19: und was wir uns auch noch leisten sind moderierte kuratierte Musikautorinnen Sendung wo keine Musikredaktion mitredet, wo wirklich Autoren entscheiden welche Musik sie in Schaufelnster stellen und das ist schon schräg unkantig.
00:46:34: Und deshalb kann ich es zumindest für Fritz nicht unterschreiben.
00:46:37: glaube dass wir uns da schon noch deutlich von einem rein hit Mainstream Programm unterscheiden eigentlich allein unserer Playlist und ich glaube dadurch auch möglicherweise dann vielleicht nicht so stark sind, wie wir sein könnten.
00:46:51: Aber das ist unbedingt unser Kulturauftrag und unser Verständnis.
00:46:54: Und es sind unsere Werte, dass wir nicht den Einheitspreis bedienen.
00:46:58: Trotzdem ist ein Hit-n'Hit die Klebemasse um dadurch vielleicht auch unbekannteren Musik wieder an die Leute zu bringen oder im Themen oder andere
00:47:07: Sachen.".
00:47:08: Jule Kaden hat im Vorgespräch auch noch mal betont, dass bei dem öffentlich rechtlichen durchaus nicht alles schlecht ist!
00:47:15: Gerade im ÖRR, im öffentlich-rechtlichen gibt es Räume in denen Musik nicht nur nach Marktlogik funktioniert.
00:47:21: Es gibt Spezialsendungen, neue Acts, regionale Szenen, Live Sessions, Interviews, Festivalberichterstattung, richtigen Musikjournalismus – das ist nicht immer so sichtbar wie die große Tagesrotation aber es ist halt da und nicht zu wenig!
00:47:34: Trotzdem reicht es sich nicht darauf auszuruhen finde ich wenn wir vielfalt ernst meinen muss sie auch hörbar sein?
00:47:40: Nicht nur nach zum Halb Elf sozusagen oder einen einer Spezial-Sendung, sondern immer wieder auch ein Tagesprogramm.
00:47:47: Fritz darf nicht klingen wie ein Algorithmus mit Verkehrsmeldungen dazwischen.
00:47:50: Fritzt muss neugierig bleiben, auch mal anecken und einen Song spielen bei dem nicht sofort.
00:47:54: alle sagen klar, ich war Hit!
00:47:56: Für mich ist die spannendste Musik auf die, die noch nicht komplett fertig einsortiert ist zu poppig für Indie, zu weird für Mainstream, zu direkt für Föhton, zu gut um sie zu ignorieren.
00:48:06: Und genau dafür sollte Radio Platz haben macht genau ganz oft diesen Platz frei und gibt diesem Platz für genau diese Art von Musik.
00:48:17: Es bleibt wirklich sehr zu hoffen, dass Sender wie Fritz uns noch lange erhalten bleiben.
00:48:22: Die bittere Wahrheit ist nämlich das die öffentlich-rechtliche Programmlandschaft dieser Tage in Gesamtbild gerade mit Blick auf das Musikradio leider nicht gerade vielfältiger breitaufgestellter krachiger oder gar nischiger wird.
00:48:37: Vielmehr gerät sie zunehmend in den Würgegriff von politisch motivierten Kürzungswellen und Reformplänen.
00:48:44: Geplant sind, nicht zuletzt um eine Erhöhung des Rundfunkbeitrags zu verhindern unter anderem die Zusammenlegungen von Hörfunkprogrammen, die Streichung von linearen Sendeplätzen für Nischenmusik und die verstärkte Ausrichtung auf rein digitale Formate.
00:49:01: Innerhalb der ARD sollen so der Plan bis zum Jahr zwölf und zwanzig mindestens sechzehn Radioprogramme eingespart werden.
00:49:09: Und leider sind es gerade die jungen Programme, an die das Skalpell angelegt wird!
00:49:14: MDR Sputnik verliert ab twenty-sevenundzwanzig seine UKW-Frequenz.
00:49:19: Beim Bayerischen Rundfunk hat die Programmleitung kürzlich vier digitalen und sparten Programme darunter PULS Radio für verzichtbar erklärt.
00:49:26: Bereits im Verlauf der vergangenen Jahre wurden bei PULs PÖAPÖ Sendungen, DJ Shows und moderierte Strecken abgesägt – und dann am dreizehnten Januar zwanzigzehn um zehn Uhr morgens wurde das Radioprogramm komplett eingestellt!
00:49:42: Und damit fehlt auf einmal Jena BR-Sender, der stets die Musik von jungen noch unbekannten MusikerInnen, von denen viele ja auch aus Bayern kommen in den Vordergrund gerückt hat.
00:49:53: Ja und Jena Sender ohne dessen Support einen Nina Tshuba vielleicht nie so berühmt geworden wäre – weil sie in einer Zeit, in der sie noch auf Englisch sang, explizit von Puls gefördert wurde!
00:50:05: Bei Fritz wurden Artists wie Berg, Zartmann oder Ickimel schon hoch und runter gespielt als diese noch vor zweihundert Leuten bei der Fettela Musik aufgetreten sind.
00:50:16: Und das sind nur zwei von etlichen Beispielen!
00:50:19: Auch ein Sender wie Cosmo – Das einzige Radioprogramm der ARD mit mehrsprachigen Inhalten hat etliche aufkeimende Künstler in den Karrieren mit Sichtbar bzw.
00:50:29: Hörbarkeit gepusht sowie mit GEMA-und GVL Vergütungen unterstützt.
00:50:35: Auch Cosmo schlug erst kürzlich Alarm, weil es sich durch die alld-weiten Sparmaßnahmen bedroht sieht.
00:50:43: Um zu verhindern dass der interkulturelle Sender verkleinert in eine reine digitale Form umgewandelt oder ganz eingestellt wird unterschrieben rund dreihundert Prominente Kulturschaffende im Juni vergangenen Jahres eine Petition.
00:50:57: Für unsere Branche wären solche Sparmaßnahmen besonders tragisch.
00:51:01: Schließlich sind wir speziell auf Sender wie Cosmo oder Fritz angewiesen.
00:51:05: Jana Zebula hat während unseres Austauschs besonders die Bedeutung der Öffentlich-Rechtlichen für NewcomerInnen hervorgehoben.
00:51:13: Der Beitrag, den der öffentlich-rechtliche Rundfunk bekommt, der dient dazu natürlich auch nachwuchssichtbar zu machen und der Beitrag ist eine solidarische Gemeinschaft Finanzierung und wenn der nicht steigt, jetzt kürzt wird oder sogar vielleicht sinkt dann wird das Auswirkungen auf Programm haben.
00:51:36: Und gerade Nachwuchskünstlerinnen und Künstler sind natürlich auch Formate im öffentlich-rechtlichen Rundfunk angewiesen weil wenn jemandem im Nachwuchsgenre unterwegs ist dann ist er per se erst mal kein Star sind noch keine Hits.
00:51:49: Und dennoch ist es wichtig, Ausspielfläche zu haben und diese Ausspielfläche die schafft natürlich der öffentlich-rechtliche Rundfunk wie Radiosender, wie MDR Kultur oder MDR Sputnik aber auch Radio Eins oder Fritz.
00:52:04: das sind Dinge die stehen in der DNA solcher Radiosendern und deswegen ist es richtig dass es diese Radiosende weiter gibt und deswegen isst es wichtig dass wir einen gut finanzierten öffentlich rechtlichen Rundpunkt haben.
00:52:19: Abendstrecken bzw.
00:52:20: Genrespezialsendungen wie Rap in D, Zündfunk oder Soundcheck auch nördige DJ-Sets, Interviewfenster, Live Sessions Hintergrundberichte für tonistische Einordnung von Neuerscheinung aus dem Untergrund – das sind bedeutsame Trittbretter für junge Artists deren Hobby gerade zur Karriere wird!
00:52:40: Ohne redaktionelle Betreuung und die bewusste Entscheidung gegen die Quote hätten es viele deutsche Künstlerinnen nie in den überregionalen Charts oder auf die großen Festivalbüden geschafft.
00:52:51: Yose Yu hat im Vorfeld dieser Episode eine regelrechte Ode gesungen, auf besagte Entscheidungen gegen die
00:52:56: Queote.".
00:52:58: Ich glaube aber was schon das bedeutet wenn ein öffentlich-rechtlichen Rundfunk runterkürzt ist.
00:53:02: dass du sagst alles was nicht hundert Prozent wirtschaftlich funktioniert ist eigentlich nichts wert.
00:53:08: Nur muss natürlich auch der öffentlich-rechtliche Rundfunk seine Aufgabe ernst nehmen und sagen, wir müssen nicht nur nach wirtschaftlichen Zwängen sozusagen handeln.
00:53:16: Also wenn er diese Rolle ernst nimmt dann kann da noch einiges passieren.
00:53:19: Ich habe aber insgesamt das Gefühl schon, dass es in diese Richtung geht.
00:53:22: Dass man sagt alles was nicht extrem gut wirtschaftlich funktioniert ist eigentlich den Aufwand nicht wert und das ist eine gesamtgesellschaftliche Frage die wir halt haben.
00:53:32: so muss das als Gesellschaft wollen.
00:53:34: wenn man jetzt sagt nee wieso ist doch gut alle sollen tapf vierzig radio sein und hören ist auch gut ist eine kleine übersichtliche welt dann kann man natürlich auch das machen.
00:53:45: Ich denke nur, wenn man halt nur in diesen Skip-Ratenmodellen und nur in diesem was funktioniert arbeitet wird man keine Entwicklung schaffen.
00:53:53: Sondern du wirst einfach immer reproduzieren, was bereits da war.
00:53:57: Nicht dass das nicht echt schon tatsächlich passiert oder dass man nicht so manchmal das Gefühl hat, dass es so ist.
00:54:02: Aber dafür ist jeder Experte der sozusagen anderen eine Welt eröffnet gut Wenn sich die öffentlich-rechtlichen nur noch am Mainstream orientieren, um mit dem Privatradio oder Spotify konkurrieren zu können, dann geben sie ihre Existenzberechtigung auf.
00:54:19: Dann verlieren Sie Ihre Funktion als Entdeckermedium und werden zurein verwaltern des ohnehin schon Bekannten – das Glattgeschliffenden des Easy Listening Salats!
00:54:29: Und wenn Programme senderübergreifend fusioniert werden, entscheiden immer weniger Redakteurinnen darüber was im ganzen Land gehört wird.
00:54:38: Die musikalische Vielfalt schrumpft de facto durch den Wegfall regionaler Besonderheiten.
00:54:44: Deshalb sind gerade die explizite regional ausgerichteten Sender Stichwort BR-Pulz die ringens erhaltenswert.
00:54:51: Und was wenn doch alle Stricke reißen?
00:54:53: Wenn die Öfflis also ihrem Auftrag einfach nicht gerecht werden oder wenn progressive Formate weggestrichen werden, wenn Durchschnittsradio auch dort zur Regel wird.
00:55:03: Naja selbst dann gäbe es immer noch Sender, die mit voller Hingabe für kulturelle Vielfalt, Kante und Subkultur in die Bresche springen würden – und diese sind bis hierher vielleicht ein bisschen zu kurz gekommen.
00:55:15: dieser Folge!
00:55:16: Eine Entwicklung, die im letzten Low-Budget High Spirit Magazin aufgegriffen wurde ist die neuerliche Offensive von Community Radios als Gegenformate zum ewigen Ed Sheeran Zyklus.
00:55:26: Im Magazin wurde in Berlin ansässige Webradio Station Refuge Worldwide vorgestellt, die nicht über eine FM Frequenz sondern ausschließlich Online sendet und mit wenigen technischen und monetären Mitteln ein sehr vielseitiges Programm auf die Beine stellt.
00:55:44: Im Low-Budget High Spirit Interview erzählen die Macherinnen von Refuge Worldwide, dass sie es darauf anlegen ein internationales Publikum anzusprechen und gezielt andere Musik spielen würden als der Rest.
00:55:58: Auflagenfrei, unabhängig von lokalen Hörgewohnheiten und in keinster Weise fixiert auf Quoten achtet dieser Sender besonders darauf sein Programm was Gender & Race betrifft so divers wie möglich aufzustellen.
00:56:11: Und einen kritischen Blick auf Macht- und Diskriminierungsstrukturen stets mitzudenken.
00:56:16: Getragen wird Refuge Worldwide von etlichen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Fundraising Spenden aus der höherer Innenschaft.
00:56:24: Fundraising ist ein richtig gutes Stichwort.
00:56:26: Schließlich gibt es etliche für den Radiosektor unentbehrliche Sender, die sich auf diesem Wege finanzieren.
00:56:33: Denken wir hier nur mal an BITE FM das ja bereits seit Jahrzehntausend acht besteht und völlig unabhängig von knapp einhundert erfahrenen Musikjournalistinnen, MusikerInnen und Fans gestaltet wird und damit auch abseitigen Genres stets Raum gibt!
00:56:48: Weit SM speist sich aus einem eigenen Förderverein, dessen Mitglieder Zugriff auf das Sendungsarchiv haben.
00:56:54: Ich muss an dieser Stelle an das Bürgerradio in meiner Heimatstadt Weimar denken – an Radio Lotte!
00:57:00: Der Sender hat definitiv meine Jugendzeit bereichert und mir viele freakige Bands aus der Indie-, Elektro- und Punk-Szene näher
00:57:08: gebracht.".
00:57:09: Radio Lotte finanziert sich bis heute mit Hilfe des sogenannten Lotte-Clubs, dem mehr als fünfhundert Mitglieder angehören sowie aus Fördermitteln der Thüringer Landesmedienanstalt.
00:57:21: An dieser Stelle seien alle engagierten Lokalradios gegrüßt – ihr seid essenzielle Multiplikatorinnen in der Musikbranche!
00:57:29: Ich habe im Recherchieren von einem kürzlich an den Start gegangenen Web-Radiosender gehört, der ausschließlich kölsche Mundartmusik spielt.
00:57:37: Wie toll ist das denn bitte?
00:57:38: Ich finde, wir sollten bevor wir zum Fazit übergehen der Vollständigkeit halber noch eine Sache mal klar aussprechen.
00:57:49: Auch das Privatradio auf dem wir ja am Laufe dieser Episode immer wieder so dezent herumgehackt haben kann selbstverständlich progressiv sein.
00:57:58: Denken wir nun einmal an den ganz wunderbaren Berliner Senderflugs FM, der in den Start an den USA gegangen ist Im Zitat festen Glauben daran, dass Radio mehr sein kann als Dudelfunk und Mainstream.
00:58:10: Und der uns ja bis heute mit wirklich tollen Musikformaten beschenkt.
00:58:14: Okay Zeit für ein Fazit!
00:58:16: Das Radio ist kein exklusiver Distributor, kein Trendsetter, kein Geldkeeper mehr – und vermutlich nimmt heutzutage auch kaum noch jemand vor dem Antennenradio sitzend irgendwelche Kassettenmitschnitte auf.
00:58:29: Dafür sitzen junge Menschen aber vielleicht mit offener Shazam-App vor dem Autoradio und speichern sich auf diesem Weg ihr neuesten Lieblingssong.
00:58:38: Relevant geblieben ist das Radio trotz all der Zeitenwenden erstaunlicherweise trotzdem, es erreicht in den Altersgruppen über dreißig rund vier von fünf und selbst unter den vierzehn bis neunundzwanzigjährigen weit mehr als die Hälfte der Menschen mindestens einmal wöchentlich.
00:58:55: Achtundfünfzig Prozent der Jugendlichen geben an, einen Lieblingsradiosender zu haben.
00:59:00: Ein Istzustand auf den man definitiv aufbauen kann!
00:59:03: Die technischen Empfangswege sind vielfältiger geworden.
00:59:06: Lineares Radio ist blängst mit On-Demand-Inhalten verschwommen und Radiostationen sind Contentfabriken geworden, deren optische CI oder Podcastformate teilweise berühmter sind als ihre Nachmittagsshow.
00:59:20: Durch das Internet ist das Radio vom Radiusmedium zum theoretisch weltweit empfangbaren Kommunikationsträger geworden.
00:59:29: Gleichzeitig führen, um in Deutschland zu bleiben der wirtschaftliche Druck im privaten Sektor und der Sparzwang im öffentlich-rechtlichen Rundfunk speziell im Bereich Musikradio zu einer inhaltlichen Verengung.
00:59:41: Wir erleben eine starke Orientierung an Canciferns, Streamingzahlen, Shazam Charts, Social Media Reichweiten, mathematisch angelegte Musiktests.
00:59:50: Diese Entwicklung führt zu einer Art Entmenschlichungen des Radios Und am Ende dieser Entwicklung steht womöglich, was in einigen Schweizer Privatradius bereits passiert.
01:00:00: Dort läuft in der Nacht KI generierte Musik wohlgemerkt ohne jegliche Einordnung oder Unterbrechung durch eine real existierende moderierende Person.
01:00:10: Ich bin der festen Überzeugung, dass das Radio nicht versuchen sollte, der bessere Algorithmus zu sein.
01:00:17: Vielmehr sollte es der Übermachter Streaming-Anbieter mit überraschender kontextgebender menschlicher Kuration
01:00:24: entgegentreten.".
01:00:25: Radio hat ihr Aufgabe die Gesellschaft zu informieren und abzubilden?
01:00:30: Genau deshalb haben Radiosender, die das Beste der Achtziger, Neunziger zweitausender und von heute spielen dieselbe Daseinsberechtigung wie jene, die Das Spektrum an Klangfarben radikal ausweiten.
01:00:42: Die mutig sind!
01:00:43: Wie eben dargelegt Gefährden Einsparungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ein feingliedriges Ökosystem.
01:00:50: Ohne die redaktionelle Förderung von Nischen und Newcomerinnen durch gebührenfinanzierte Sender droht der Musiklandschaft eine kulturelle Verarmung.
01:00:58: Das Radio ist hier nicht nur Abspielstationen, sondern ein ökonomischer und kultureller Schutzraum, dessen Wegfall durch Streamingplattform allein nicht kompensiert werden kann.
01:01:09: Ich denke, damit ist alles gesagt.
01:01:11: Wir können ein bisschen rauszoomen aus dem Radiothema.
01:01:14: Es schält ja noch die obligatorische gute Nachricht!
01:01:17: Libelina hast du da was auf Lager?
01:01:19: Ja, du weißt ich liebe diese Kategorie.
01:01:21: deswegen habe ich natürlich eine News aus der Musikbranche auf Lagar.
01:01:26: Diesmal stammt diese News wieder aus der New Section unseres Medienpartners Musikwoche.
01:01:31: Dort habe ich gelesen, dass in Österreich auf Regierungsebene aktuell neu überhöhere Steuerzahlungen der großen Streaming-Konzerne diskutiert wird.
01:01:40: Mit der sogenannten streaming Abgabe soll Geld generiert werden mit dem anschließend heimische Talente und österreichische Musikproduktionen gefördert werden können.
01:01:49: Und ich finde das ist definitiv eine gute Variante Steuern zu reinvestieren.
01:01:55: also looking at you Bundestag!
01:02:00: Ja, damit sind wir am Ende dieser achtundzwanzigsten Episode angekommen von Repa-Bahn Festival Deep Dive FM.
01:02:07: Wir bedanken uns von ganzem Herzen bei unseren wunderbaren Gästinnen Martin Hommel Jana Zebula Tom Kölm Jule Karten Stefan Felten und Yuse Yu.
01:02:18: Danke an jede einzelne Person da draußen, die sich diesen Podcast angehört hat.
01:02:23: Und natürlich an unser wunderbares Team hinter der Glasscheibe hier im Studio von German Wahnsinn Luisa, Michi, Lou und Hajo!
01:02:31: Und natürlich danke an Lisa und das Musikwochenteam... ...und Last but not least an dich liebste kompetenteste Beste Lena Burghausen.
01:02:40: Ja, das kann ich nur spiegeln.
01:02:41: Alex Barbian ist jedes Mal ein Fest mit dir.
01:02:44: Vielen Dank.
01:02:45: Lasst uns wie immer gerne eure Meinung zur Folge und natürlich eine Bewertung da.
01:02:50: Auf der Streaming-Plattform eures Vertrauens, auch Social Media per E-Mail an deepdiveklein und zusammen at reperbandfestival.com.
01:02:58: dieser Podcast ist für euch erlebt von und mit eurem Feedback!
01:03:02: Und ja wir freuen uns immer sehr über eure Nachrichten.
01:03:05: Reper Bandfestival Deep Dive ist ein Podcast der RBX GmbH und wird präsentiert von Musikwoche Redaktionen und Recherche, Alex Barbian und Lina Burghausen.
01:03:16: Produktion, Produktdesign & Vermarktung, Christina Schäfers, Luisa Blotzki, Lou Böhm und Michael Götting Studio German Wahnsinn!
01:03:24: Mit besonderem Dank an den Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
01:03:28: Bis zum nächsten Mal.
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